Kaiserliche Gesandte in Konstantinopel

Die Medialität diplomatischer Korrespondenzen (17. Jahrhundert)

Johann Rudolf Schmid zum Schwarzenhorn (1590–1667) war einer der wichtigsten habsburgischen Diplomaten in Konstantinopel und einer der größten Spezialisten für osmanische Angelegenheiten am Kaiserhof in Wien. Teilprojekt A beschäftigt sich mit seiner Korrespondenz mit dem Kaiserhof, insbesondere während seiner Zeit als Internuntius (1648/49) und Großbotschafter (1650/51), die von der Forschung bislang weitgehend ignoriert wurde.

Aus der Zeit der Internuntiatur sind 41 Briefe und andere Schriftstücke erhalten, von der Großbotschaft weitere 47. Um den Quellenkorpus zu erweitern, werden auch die Briefe aus seiner Zeit als Resident (1629–1643), die Korrespondenzen der Residenten Alexander von Greiffenklau zu Vollrats (1643–1648), Simon Reniger von Reningen (1649–1665) und die Berichte des Großbotschafters Hermann Czernin von Chudenitz (1644/45) einbezogen. Insgesamt können dadurch ca. 800 Briefe analysiert werden.

Hauptziel des Projekts ist – ausgehend von Theorien und Methoden der Medienwissenschaft – die Analyse der Regeln, nach denen die Briefe verfasst wurden; die Hauptfaktoren, die den Inhalt formten, müssen untersucht werden. Durch den großen Umfang des Quellenkorpus kommen komplexe Methoden qualitativer und quantitativer Textanalyse zur Anwendung.

Einer akteurszentrierten Theorie der Internationalen Politik folgend, werden die Gesandten als Individuen verstanden, die in der Lage waren, ihre Situation zu reflektieren, Anfragen zu formulieren und Entscheidungen zu treffen. Außerdem wird analysiert, welche Pflichten die Gesandten hatten, wie sich das Verhältnis zwischen Autor und Rezipient auf die Briefe auswirkte, wie sich die Gesandten in ihren Berichten selbst offenbarten und wie die Berichte rezipiert wurden.

Beteiligter: Christoph Würflinger, MA