Johann Georg Metzgers Itinerarium

Die Medialität diplomatischer Reiseberichte

 

Das Reisetagebuch des Johann Georg Metzger bildet in anschaulicher Weise die Internuntiatur des Rudolf Schmid zum Schwarzenhorn nach Konstantinopel ab. Es verwebt Eindrücke des Autors mit zeitgenössischem, historischem, naturkundlichem und ethnographischem Wissen. Zugleich liefert es Erkenntnisse über das Medium Reisebericht jener Zeit. Die Einzigartigkeit des bisher unveröffentlichten Diariums liegt nicht nur in seiner inhaltlichen Vielfältigkeit begründet: Metzger legte seinem Werk auch zahlreiche Skizzen bei, die seine schriftlichen Ausführungen visuell bereichern.

Der aus Breisgau am Rhein stammende Johann Georg Metzger († 1698) trat im Jahr 1648 seine Reise von Wien nach Konstantinopel an. Er nahm an der kaiserlichen Internuntiatur 1648/49 an die Hohe Pforte teil. Im Fokus dieser Mission stand die Erneuerung des Friedensvertrags zwischen dem Osmanischem Reich und dem Kaiser, die durch die Thronbesteigung Mehmed IV. 1648 notwendig geworden war. Metzger kam wohl u. a. die Aufgabe zu, die Reise zu dokumentieren. Sein Bericht umfasst insgesamt 522 Seiten und beinhaltet Kartenmaterial sowie mehr als 50 Bilder. Neben den Darstellungen des Verlaufs der Reise gewährt das Tagebuch Einblicke in Verhandlungen des Internuntius mit dem Großwesir und anderen osmanischen Würdenträgern. Es beinhaltet Auszüge aus Beobachtungen über den Alltag in der Hauptstadt des Osmanischen Reichs, das Leben der Frauen, osmanische Feste und vieles mehr. Das Diarium ist nahezu unbekannt, da das Original seit dem Zweiten Weltkrieg verloren geglaubt war.

Im Rahmen des Teilprojekts B entsteht eine historisch-kritische Edition des Reiseberichts mit umfassender wissenschaftlicher Einführung. Die Edition wird in digitaler Form (Teilprojekt C) vorliegen. Beigefügt werden die Transkriptionen des „Geheimen Berichts“ und der „Abschlussrelation“ der Internuntiatur von Rudolf Schmid zum Schwarzenhorn, die er selbst angefertigt hat. Die Digitalisierung des Berichts sowie des Diariums ermöglicht neben der leichteren Zugänglichkeit eine umfassende qualitative und quantitative Analyse des Quellenkorpus.

Beteiligte: Anna Huemer, Bakk. Komm, MA, Lisa Brunner, MA, Anna Spitzbart, BA